Wie die Zeit vergeht
Heute dient der alte hölzerne Verbandskasten der örtlichen Jugendgruppe als Schminkkoffer bei der Notfalldarstellung. Bei Wettbewerben werden die Jugendlichen immer wieder auf diese Rarität aus alten Zeiten angesprochen. Gar mancher Sammler hat versucht, der Gruppe dieses besondere Teil „Rot-Kreuz-Geschichte“ abzuschwatzen.
Der rechtmäßige Besitzer, Friedrich Heyler aus Jagstfeld, wäre heute 110 Jahre alt. Seine Tochter und die Enkel erinnern sich gerne an ihren Opa Fritz, der sie, auch auf ihrem Weg beim Roten Kreuz geprägt hat. Helga Lock hat noch immer das Bild vor Augen, wie der Vater in gestärkter Uniform zu seinen Diensteinsätzen eilte, ein „Helfer vor Ort seiner Zeit“. In der ganzen Gemeinde wusste man von seiner Tätigkeit als „Sanitätsmann beim Roten Kreuz“ und mancher zog es vor, sich von ihm behandeln zu lassen. Der Arzt im Ort habe als „Viehdoktor“ keinen sonderlich guten Ruf genossen und so kam man heim zum Fritz, der neben der Erstversorgung von Verletzungen auch deren Nachbetreuung übernahm. „Aus der Familie durfte keiner ran an das Verbandsmaterial, da ist er eigen gewesen“, erzählt die Tochter. Auf Sauberkeit und Ordnung bei seinen Utensilien habe er allergrößten Wert gelegt.
Irgendwie muss es wohl in den Genen liegen. Dieser Rot-Kreuz Virus, der einen packt und nicht mehr loslässt. Fünf seiner sieben Enkel sind schon früh im Jugendrotkreuz aktiv geworden. Heute arbeiten sie in der aktiven Bereitschaft mit, sind Gruppenleiter beim JRK oder engagieren sich in der Seniorenarbeit.
Stolz wäre Friedrich Heyler wenn er erleben könnte, mit wie viel Einsatz und Freude nun bereits sechs seiner Urenkel bei der Sache sind. Alle Jugendrotkreuzler mit Leib und Seele. Der Jüngste davon ist Lukas, 10 Jahre alt. Als engagiertes Mitglied einer Kindergruppe wird er am 27. März das kleine Holzverbandskästchen seines Urgroßvaters, gefüllt mit Schminkmaterial, zum Kreiswettbewerb der Stufe I tragen. Lukas ist sich sicher – das alte Stück - es bringt ihm Glück!