Vor 20 Jahren in der Prager Botschaft
Wie viele tausend andere ehemalige DDR Bürger verbrachte Arno K. zwei Nächte auf dem Gelände der Deutschen Botschaft in Prag. Dass das Deutsche Rote Kreuz dort als einzige Hilfsorganisation zugegen war, hat er bis heute nicht vergessen. Wie segensreich das Wirken der Helfer dort gewesen sei berichtet er noch immer beeindruckt. Mit einem Freund hatte er sich von Dresden aus auf den Weg gemacht und war per Zufall und mit viel Glück im Schlepptau eines Fernsehteams ins Innere des Botschaftsgeländes gelangt.
Dort hat er sie kennen gelernt – Helfer die uneigennützig und im Geiste Henry Dunants für die Zufluchtsuchenden Zelte errichtet und für Verpflegung gesorgt hatten. Drei Betten seien jeweils übereinander in den Zelten gestapelt gewesen, vor den Toiletten und bei der Essensausgabe habe es lange Schlangen gegeben, erinnert er sich. Trotzdem ging alles ziemlich diszipliniert und gut organisiert vonstatten. Er habe sie erlebt, die Menschlichkeit inmitten von Ausweglosigkeit, Sorge und Chaos, den 80-90 DRK-Helfern auf dem Botschaftsgelände sei nichts zuviel gewesen. Immer wieder hätte man auch Trost und Hoffnung erfahren, im Besonderen die Kinder konnten nur schwer begreifen, was um sie herum geschah.
Er ist dabei, als der damalige Außenminister Genscher verkündigt, dass die Ausreise genehmigt sei, den unbeschreiblichen Jubel hat er noch immer in den Ohren.
Später im Westen denkt er oft an die Geschehnisse zurück. Über verschiedene Stationen geht es schließlich für seine Familie zunächst nach Neckarsulm, dann nach Nordheim. Auch hier erlebt er die ehrenamtliche Unterstützung durch die jeweiligen DRK Ortsvereine. In Bad Friedrichshall findet er Arbeit, eine Wohnung und Freunde.
Dass er seit vielen Jahren aktiv im Ortsverband tätig ist und dort als Materialverwalter mitarbeitet wundert nicht. Er möchte noch immer ein bisschen zurückgeben von dem, was er damals erlebt hat.