Aus heiterem Himmel
Uwe Keller ist Teil der DRK Vergiß-mein-nicht-Gruppe. Jeden Monat besucht der gebürtige Zaberfelder die Treffen für Menschen mit Behinderungen. „Das Wichtigste ist mir das Zusammensein“, sagt er. Nach ein paar Bewegungs- und Gymnastikübungen zu Beginn trinken die Teilnehmer Kaffee, genießen Kuchen, Eisbecher oder ein deftiges Vesper. Für Unterhaltung ist im Anschluss ebenfalls gesorgt. Gut organisierte Ausflüge runden das Programm der Gruppe ab.
In seinem jüngst veröffentlichten Buch mit dem Titel „Plötzlich sprachlos“, widmet der 57 Jährige der DRK Gruppe ein Kapitel und bedankt sich für die liebevolle Betreuung, die er dort erleben darf. Einen ersten leichten Schlaganfall erlitt der Autor im Jahre 1998. „Wie man so schön sagt: aus heiterem Himmel hat mich der Schlag getroffen“, schreibt der Autor. Glücklicherweise bilden sich die Sensibilitätsstörung am linken Arm und seine Sprachstörung komplett zurück.
Ohne jegliche Vorwarnung, jedoch mit für ihn wesentlich schwerwiegenderen Folgen, erleidet er drei Jahre später seinen zweiten Schlaganfall. Mitten in der Fußgängerzone in Heilbronn stürzt er zu Boden und versammelt eine Menschenmenge um sich. Wortlos ist er gefangen in einem Zustand, von dem er ahnt, was passiert ist. Seine komplette rechte Seite ist gelähmt, die Sprache hat er verloren, gezielte Bewegungen sind nicht möglich. Uwe Keller kann nicht nicken für ein Ja oder den Kopf schütteln für ein Nein. Er fühlt sich eingesperrt und hat schreckliche Angst vor dem, was ihn nun erwartet.
Was er in der Folgezeit erlebt, gesehen und wieder gelernt hat und wie er es geschafft hat, andere Menschen zu motivieren beschreibt er in seinem Buch. Schritt für Schritt und Wort für Wort findet Uwe Keller wieder zurück in ein aktives Leben. „Das Leben ist trotz Behinderung lebenswert“, wird für ihn zur Botschaft.
Acht Jahre sind seitdem vergangen. Die Vergiß-mein-nicht-Gruppenleiterinnen sind mächtig stolz auf ihren Uwe und sein Mutmachbuch, welches auch für Angehörige lesenswert ist. Eine Krankheit anzunehmen ist nicht leicht, Uwe Keller hat das Beste daraus gemacht und viel Mut, Fleiß und Ausdauer bewiesen.
Im Lauf der Zeit hat sich manches verändert. Seine Sprache hat sich durch konsequentes Üben mit Logopäden wesentlich verbessert, das Gangbild ist sicherer geworden. Uwe Keller fährt heute trotz Halbseitenlähmung leidenschaftlich Liegetrike, ein Fahrrad mit 3 Rädern und genießt es im Freien zu sein. Mit den Worten „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, motiviert er die anderen Mitglieder der Vergiß-mein-nicht Gruppe und ist längst zu deren Vorbild geworden.
Das Buch „Plötzlich sprachlos, Diagnose Schlaganfall“ ist im Hartung-Gorre Verlag Konstanz erschienen.