Schule soll auch auf das Leben vorbereiten
Erkennen von eigenen Stärken und Schwächen, die Verbesserung von Teamarbeit und die Erfahrung, was Verantwortung für andere Menschen bedeutet. 24 Schüler aus den siebten Klassen der Wilhelm-Hauff-Realschule lernen gerade, worauf es im Leben auch ankommt: Auf soziales Engagement und die Bereitschaft, etwas unentgeltlich für den Nächsten zu tun. Seit 2004 gibt es an der Bad Rappenauer Realschule eine themenorientierte Projektreihe - quer durch alle Jahrgangsstufen. „Wir haben fünf Großbereiche, von denen das soziale Engagement bei uns in der siebten Klasse angesiedelt ist“, erläutert Bettina Losert, die das Projekt betreut. Die Lehrerin ist in der Realschule verantwortlich für den Bereich, der sich vornehmlich mit Menschen beschäftigt. Aber eben nicht nur ausschließlich: „Manche haben da auch Berührungsängste, deshalb haben wir hier mittlerweile auch den Bereich Natur und Tiere integriert“, sagt Bettina Losert. Jeder solle eben da was finden können, was zu ihm passe. Am Ende steht ein Zeugnis, das sowohl eine Beurteilung, als auch eine Note enthält. Denn die unterrichtsbegleitende Maßnahme sieht immerhin bis zu 72 Unterrichtsstunden vor. Etwa 30 davon sollen außerhalb der Schule in einem Verein oder Projekt geleistet werden. „Ich bin da ständig auf der Suche nach neuen Themenbereichen“, sagt Bettina Losert. Ein ganz neues Modell hat sie gerade gefunden. Denn erstmals im Landkreis Heilbronn wird jetzt die Zusammenarbeit mit einem DRK-Ortsverein versucht. Daniel Blessinger, Ausbilder beim DRK Kreisverband Heilbronn, unterrichtet derzeit in Obergimpern die Schülerschar in zwei Gruppen. An insgesamt vier Samstagen in den Räumen des DRK-Ortsvereins. Gefördert wird der Unterricht durch das Bundesministerium des Inneren und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dadurch wird eine kostenfreie Schulung ermöglicht. „Die Jugendlichen sollen sich mehr in der Verantwortung sehen“, sagt Ausbilder Blessinger. „Und Schule bereitet auch auf das Leben vor“, ergänzt die Lehrerin. Dafür bringt Blessinger ihnen Themeninhalte wie die gesetzliche und moralische Verpflichtung zur Hilfeleistung, die Verhaltensweise bei Notfällen, das Versorgen einer hilfebedürftigen Person und auch ganz praktische Dinge wie eine ordnungsgemäße Herz-Lungen-Wiederbelebung näher. Bettina Losert legt großen Wert auf solche Kontakte. „Es muss aber passen“, nennt sie als Bedingung für eine mögliche Kooperation. Das DRK Projekt ist auch auf die nähere Zukunft ausgerichtet. „Vielleicht gelingt es uns, einen Schulsanitätsdienst aufzubauen“, orakelt Bettina Losert. Selbstverständlich sei es, dass das nicht gleich nach dem ersten Schulungsereignis gelingen könne. Sondern unter Umständen einige Jahre benötige, bis sich eine klassenstufenübergreifende Gruppe von Schulsanitätern gebildet habe. „Das wäre in Bad Rappenau etwas Neues“, weiß die Pädagogin. Und natürlich auch, dass für einen schulübergreifenden Einsatz in den Pausen auch noch eine passende Betreuung, regelmäßige Schulung und ein geeigneter Raum dafür gefunden werden müsste. Alles erst mal weit gedacht. Doch ein Anfang ist gesetzt und oft fangen die wertvollen Dinge gerade mit den kleinen Schritten an.
Bericht von Oliver Schüle RNZ